Weinbau in Waldgrehweiler

Schon zur Tertiärzeit war die wilde Weinrebe am Rhein verbreitet und ihre Beeren wurden bereits von den Menschen der Bronzezeit gegessen. Eventuell wurde die Rebkultur von den Kelten über Germanien in Gallien eingeführt. Die richtige Kultivierung und Weinherstellung gelangte vermutlich aber erst mit den Römern in unsere Gegend.
Bereits der römische Kaiser Marcus Aurelius Probus (276 – 282) hatte die Weinkultur Germaniens gefördert. In karolingischer Zeit wurde diese bedeutend ausgedehnt und der Wein entwickelte sich zum Volksgetränk. Die fortschreitende Christianisierung trieb den Weinbau weiter voran. Die Klöster und Kirchen – wie etwa die Wallfahrtskirche im benachbarten Finkenbach-Gersweiler – benötigten größere Mengen an Gottesdienst- und Abendmahlwein.
Der älteste urkundlich nachgewiesene Weinbau im Anbaugebiet Nahe – zu dem auch Waldgrehweiler gehört – ist 767 in Norheim belegt. Ab 775 ist auch in Alsenz Weinbau verzeichnet und 811 erhielten die Fröner der Benediktinerabtei St. Maximin in Münsterappel Wein. Anfang   des  14.  Jahrhunderts  war  der  Weinbau  bis   im  gesamten  mittleren  Bereich  von Alsenz-, Appel- und Moscheltal verbreitet. Auch im Weistum der Pfarrei Finkenbach  - zu der Waldgrehweiler gehört - werden schon 1384 mehrere „Wingerte“ aufgeführt. Bereits vor 1482 sind im Zinsbuch des pfalz-zweibrückischen Amts Landsberges in Obermoschel Abgaben an die Herrschaft aus den Erlösen der örtlichen Weinberge „Am Ransweilerweg“ und „In der Morebach“ – heute „Mehrbach“ – zu finden.  In einem Weistum von 1523 ist die Existenz der Weinberge im „Amt Waldgrehweiler“ ebenso erwähnt. Zwar geht nichts genaueres über die damals erzielten Weinerträge hervor, jedoch wird Waldgrehweiler in den Landsberger Rechnungen 1482 an fünfter Stelle der weinbaulichen Aktivität im Herrschaftsbereich genannt. Die herzoglichen Erbleihbesitze umfassten damals etwa 1.000 Grundstücke, wovon rund 120 Wingerte waren. Die Abgaben sind erst ab 1704 genauer bekannt.

Die Blütezeit des Weinbaus war schon ab dem 16. Jahrhundert durch Wegfall der Klöster und des reichen Adels rasch beendet. Zudem waren die Folgen des Dreißigjährigen Krieges deutlich zu spüren. Orte wie etwa das 1304 als „Breidenau“ und 1468 als „Breidem bi Grewiller“ erwähnte „Breidena“, das noch als Gewannenamen „Breitenheim“ nahe der Wolfsmühle zu finden ist oder das 1236 genannte „Rodeha“, dessen Lage bei Waldgrehweiler heute nicht mehr genau bestimmt werden kann und sogar ganze Landstriche in der Pfalz waren völlig ausgestorben. Die Kulturflächen verwilderten, es entstand Heckenbewuchs und Wölfe streiften durch das verödete Land. Es mussten Menschen angeworben werden um das Land neu zu besiedeln. Dem Aufruf folgten in der Pfalz viele Glaubensflüchtlinge wie etwa die Mennoniten aus der Schweiz, Wallonen aus den Niederlanden und Hugenotten aus Frankreich, deren Nachfahren heute noch in großer Menge hier vorzufinden sind. Nach den Verwüstungen des pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) gewährte 1736 die Herrschaft Kurpfalz erfolgreich eine sechs Jahre lange Steuerbefreiung zum Wiederaufbau von Weinbergen. In der, in vier Kategorien gegliederten, herzoglichen Aufstellung von 1788 werden in Waldgrehweiler 29 Morgen Weinberge 2. Klasse gelistet. 1789 nennt die Gemarkungsstatistik sechs Hektar Weinberge.
Die alten Weinsorten waren Gutedel, Elbling, Heunisch und Kleinberger. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gewann der Rieslinganbau Bedeutung und die Wingerte nahmen wieder zu. Die Gründung der „Provinzial-Wein- und Obstbauschule“ Bad Kreuznach und der ersten Winzervereine half bei der Aus- und Weiterbildung der Winzer.
Für neue Probleme sorgte zur Wende des 19. auf das  20. Jahrhundert die Reblaus. Der Weinbergsschädling breitete sich rasch aus. Mit Reblausresistenten veredelten Reben mit Unterlagen aus Nordamerika wollte man dem Einhalt gebieten, schleppte aber als weiteren „Fluch“ die Pilzerkrankung Peronospera mit ein. Mangels wirksamen Spritzmittel fielen ihr über Jahre viele Weinberge zum Opfer, so auch die „Im Rädchen“ Ortsausgang Richtung Ransweiler und am „Wingertshewel“, dem Rech oberhalb des Grashofes. Die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise brachten weitere Rückschläge. Mit Flurbereinigungen und Neuanlagen versuchte man die Krise zu überwinden, jedoch waren 1952 im Landkreis Rockenhausen 22 Gemarkungen mit 701,6 Hektar – 85 Prozent der Reben – Reblausverseucht. Mehrere starke Maifröste kamen hinzu. Da die meisten Winzer – wie auch die in Waldgrehweiler – nur im Nebenerwerb tätig waren, sprich als sogenannte „Feierabendwinzer“ Weinbau betrieben, konnten sie dem nicht wirksam entgegnen. Viele Weinberge wurden aufgegeben und verwilderten erneut. Der Weinbau in der Gemeinde verlor ganz an Bedeutung. Er umfasste in der Nachkriegszeit nur noch rund drei Hektar bewirtschaftete Fläche in der „Mehrbach“ und wurde in einzelnen kleinen Wingerten betrieben. Winzer waren dort Emil Wasem, Armin Schmidt, Ernst Neubrech, Ludwig Haaß, Heinrich Lembrich, der Finkenbach-Gersweilerer Karl Wannemacher, Werner Reinhard und Alfred Linn, der  auch Weinberge in Finkenbach-Gersweiler besaß. Reinhard und Linn waren die letzten Winzer Waldgrehweilers. Anfang der 1970er Jahre wurden die Weinberge im Zuge der Flurbereinigung abgegeben und als Staatswald mit Nadelgehölzen - hauptsächlich Duglasie - aufgeforstet. In Waldgrehweiler waren dies rund fünf Hektar Brachlandfläche. Erwin Schmidt hatte seinen Weinberg schon Jahre vorher über kurze Zeit umgenutzt und großflächig rote sowie schwarze Johannisbeeren zur Vermarktung angebaut. Heute sind lediglich noch einzelne alte Weinstöcke und die sandsteinernen Weinbergsmauern in den Tannenwäldchen als Überreste zu finden. Die Gewannennamen „Auf dem Mehrbachwingert“ und „In dem Mehrbachwingert“ bleiben als stumme Zeugen einer vergangenen kleinen Weinbautradition erhalten.

Als Gedächtnis wurde hier 2014 im Zuge des geförderten Dorferneuerungsprojektes „Bürgergarten“ im „Layengarten“ ein kleiner 75 Quadratmeter Rebfläche umfassender Wingert mit jeweils 15 Silvaner- und Dornfelderreben in der Dorfmitte neu angelegt. Sie wurden bei einem Arbeitseinsatz von Bürgern sowie den Weingarten-Paten Winzer Gunther und Timo Keller vom Weingut Burg Löwenstein aus Niedermoschel in die Erde gebracht. Zusammen mit der Rekonstruktion und nutzerischen Umgestaltung der ehemaligen landwirtschaftlichen Schuppen mit Freisitz, Lager, Sanitäranlagen, Backhaus, Kelter, Brunnen, Freiküche und alten Gerätschaften soll hiermit an die landwirtschaftliche Vergangenheit der Gemeinde erinnert werden.

Bürgergarten mit neu angelegtem Wingert
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Gemeinde Waldgrehweiler

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