Sage “Auf eigenem Grund und Boden” - Gemeindegrenzen und Grenzsteine

Eine Sage berichtet über einen Meineid, den die stimmberechtigten Bewohner von Waldgrehweiler sich einmal leisteten, obwohl sie dem Wort gemäß nicht gelogen hatten. Sie waren so schlau, dass sie die Frage des Gerichtes nach ihrem Gutdünken auslegten. Es ging dabei um den sogenannten „Bauwald“, der durch den falschen Eid an Waldgrehweiler fiel. Er liegt nahe jener Stelle, an der sich die Gemarkungsgrenzen von Finkenbach-Gersweiler, Waldgrehweiler, Ransweiler und Schiersfeld fast berühren. Der Wald gehörte lange Zeit zu Finkenbach, doch machte die Nachbargemeinde Besitzrechte geltend. Bei der Verhandlung an Ort und Stelle schwörten die Waldgrehweilerer, dass der Wald ihnen gehöre. Was wollten die Finkenbacher machen, nachdem auf die Frage des Gerichtes: „Stehen die Waldgrehweilerer auf eigenem Grund und Boden?“ diese die Hand zum Schwure hoben. Tatsächlich traf dies zu, denn die Meineidigen hatten von ihren Äckern Grund in ihre Schuhe geschüttet.

So erhielt Waldgrehweiler den Wald zugesprochen. Doch die Meineidigen fanden nach dem Tode keine Ruhe. Hier am Bauwald taucht zu  bestimmten Zeiten ein Wagen mit Pferden ohne Köpfe auf, er hält an der Ecke des Forstes, Gestalten steigen ein und los geht die Fahrt mit unbestimmten Ziel. Niemand weiß wohin.

Gemeindegrenzen waren schon immer Streitpunkte, war es doch gerade für landwirtschaftlich geprägte Orte wie Waldgrehweiler wichtig über genügend Äcker, Wiesen, Wald und Wasser zu verfügen. Aus einer Aktennotiz des 17. Jahrhunderts wissen wir, dass sich Ransweiler beim Amt Meisenheim darüber beschwert, dass ein Grenzstein zu Waldgrehweiler hin nicht mehr aufzufinden sei. Ein Ergebnis über diesen Grenzstreit kennen wir leider nicht.

Um solche Gemarkungsgrenzen für Jedermann sichtbar abzustecken, errichte man teils mächtige sandsteinerne Grenzsteine. Besonders viele davon gibt es rund um Finkenbach-Gersweiler, da der Ort nicht wie die meisten anderen umliegenden Gemeinden zum Herzogtum Pfalz-Zweibrücken oder zur Kurpfalz gehörte, sondern eine ringsum umkesselte Exklave der freien Reichsherrschaft Hohenfels-Reipoltskirchen mit Wallfahrtskirche, Gericht und eigenem Markt darstellte.

Auf diesen Grenzsteinen sind die Herrschafts- und Ortsnamen durch Initialen abgekürzt. So findet man „R“ für die Grafschaft Reipoltskirchen, „PZ“ für Pfalz-Zweibrücken, „CP“ für Churpfalz (Kurpfalz), „CM“ für Churmainz oder „NW“ für Nassau-Weilburg. Das Kürzel „FB“ steht für Finkenbach, „W“ für Waldgrehweiler, „SW“ für Schmittweiler „U“ für Unkenbach und „SF“ für Schiersfeld.  Andere Inschriften wie „FJ“ für „Foret Imperale“ (Kaiserlicher Wald) oder „KW“ für Königlicher Wald stammen aus späteren französischen und bayerischen Herrschaftszeiten.

Weiterhin sind auf vielen Steinen fortlaufende Nummerierungen und Jahreszahlen zu sehen. Diese Jahresangaben sind aber meist nicht die Entstehungsjahre der Grenzsteine, sondern wurden bei späteren Grenzerneuerungen neu eingeschlagen.

In den Kopf der Steine eingehauene Rillen (Weiser) zeigen den weiteren Verlauf der Grenze an.

Viele der Grenzsteine sind mit entsprechenden Hoheitszeichen der Landesherren versehen. So findet man für die Herrschaft Reipoltskirchen auf der Finkenbach zugekehrten Seite ein Rad mit sechs Speichen oder sogar das ganze zweigeteilte Wappen mit Rad, Rauten und gestürztem Anker. Die Gegenseite ziert der wittelsbacher Rautenschild oder eine angedeutete Doppelbogenbrücke für die Herrschaft Pfalz-Zweibrücken.

Leider sind durch moderne Land- und Forstwirtschaft aber auch blinden Zerstörungswahn sehr viele dieser steinernen Kleindenkmäler stark beschädigt oder gar ganz zerstört worden.

Sagen rund um Waldgrehweiler

Sage von der überführten Hexe

Hexenverfolgung im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken

In Waldgrehweiler verdächtigte man vor langer Zeit eine alte Frau, dass sie sich auf die Schwarzkünste verstünde. Aber man konnte ihr lange nichts nachweisen, bis eines Tages der Metzger des Ortes, dem immer wieder Fleisch gestohlen wurde, diese überführte. Eines Nachts legte er sich mit einem großen Messer auf die lauer, um den Dieb abzupassen.
Es war Mitternacht, als die Tür sich leise öffnete und eine große schwarze Katze hereinschlich. Sie sprang hoch, riss sich ein großes Stück Fleisch vom Haken und wollte sofort damit verschwinden. Der Metzger warf das Messer nach ihr und erwischte sie am Bein. Am nächsten Tag wurde im Ort bekannt das die alte Frau, die sich auf Hexerei verstand mit einer Stichwunde im Bette niederliege.

Auch im Bereich des Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, zu dem Waldgrehweiler gehörte, verfolgte, ermahnte und bestrafte man bei Kirchenvisitationen das Fehlverhalten der Untertanen in Glaubenfragen und sittlichen Angelegenheiten. In der Nachbargemeinde Finkenbach gab es sogar ein sogenanntes Sendgericht (Sydonalgericht) von dem noch ein Weistum aus dem 16. Jahrhundert abschriftlich erhalten blieb. Fast jedes örtliche Kirchenbuch enthält einen entsprechenden sittlichen Teil. Ein weitaus grausameres Kapitel war  jedoch sicherlich die Zauberei- und Hexenverfolgung, die besonders in der Zeit zwischen der Mitte des 16. und des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte. Sowohl die lutherische, als auch die calvinistische Haltung gab eine Glaubensgrundlage für eine unnachsichtige Hexenverfolgung. Die Inquisition lebte im evangelischen Gewand weiter. Ob es in Waldgrehweiler auch zu Hexenverfolgungen kam ist ungewiss. Leider sind im Laufe der Jahrhunderte viele Akten verlorenen gegangen. Dennoch wissen wir aus den erhaltenen Urteilen, dass es auch in unserer Region kaum einen Ort gab, in dem nicht jemand der Hexerei angeklagt wurde. Aus den umliegenden Gemeinden Schiersfeld, Sitters, Unkenbach, Hallgarten und Odenbach sind zum Beispiel aussagekräftige Prozessunterlagen erhalten. Das schrecklichste Ereignis im Herzogtum war sicherlich die Hinrichtung von 13 als Hexen überführter Frauen der heute saarländischen Gemeinde Bliesransbach 1580. Hier wurden dadurch fast die Hälfte der Dorfbewohnerinnen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zweidrittel der Opfer der Hexenverfolgung waren Frauen. Oftmals waren sie verwitwet und hatten es schwer sich zu verteidigen. Sehr auffällig ist auch, dass immer wieder Schäfer und Kuhhirten am Hexen- und Zauberwesen beteiligt waren. Sie lebten außerhalb der Stadtmauern und Siedlungen, in der Unsicherheit der Natur, dem Raum der Gespenster, Zwerge und Geisterwesen. Waren diese Berufstände auch unverzichtbar für die Allgemeinheit, so hielt man doch gerne eine Distanz zu ihren, da man sie als heidnisch ansah und ihr oft ausgedehntes Wissen über Kräuter- und Heilkunde vielen unheimlich war.              

Erstellt von Torsten Schlemmer, Ortsgemeinde Waldgrehweiler

     

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Gemeinde Waldgrehweiler

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