Ortsgründung und untergegangene Dörfer

Die Wüstung „Breitenheim“

Entstehung der nordpfälzischen Dörfer in der Frankenzeit
(5. - 9. Jahrhundert n. Chr.)

 

Bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. rückte allmählich das Ende der Römerherrschaft im rheinischen Gebiet näher. Mit der Bezwingung des Limes durch die Germanen wurde die Rheinzone wieder zum Grenzgebiet. Nach einer kurzen “Erholungsphase” überrollte die Völkerwanderung endgültig die Rheingrenze. Rom verzichtete schließlich Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. formell auf seine Nordprovinzen. Die alemannische Landnahme begann. Mit den Siegen des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig I. über die Alemannen folgte um 500 n. Chr. die fränkische Besiedlung unserer Region. Es entstanden neue Verwaltungsgebiete, der Worms-, Speyer-, Blies-, und Nahegau. Zu letzterem gehörte auch die Umgebung von Waldgrehweiler. In der Siedlungsperiode des  6. Jahrhundert n. Chr. entstanden eine Vielzahl unserer nordpfälzischen Dörfer. Besonders die Ortsnamen mit den Endungen -heim weisen auf frühe fränkische Gründungen. Dies sind in der näheren Umgebung die Glansiedlungen Meisenheim und Odernheim. In der Ausbauphase des 7. - 9. Jahrhundert n. Chr. dehnten sich die fränkischen Neugründungen durch Rodungstätigkeit immer mehr auf das Nordpfälzer Bergland aus. Dies erklärt das dichte Vorkommen auf -weiler, -feld und -dorf endender Siedlungsnamen, wie beispielsweise Lettweiler, Schmittweiler, Mannweiler, Gersweiler, Bayerfeld, Schiersfeld, Oberndorf und auch Waldgrehweiler. Die Ortsgründungen mit den Namensendungen -hausen, wie Rockenhausen, Niederhausen oder Oberhausen und -bach, wie z. B. Finkenbach, Reiffelbach, Becherbach und Callbach dürften noch ins 9. Jahrhundert zu datieren sein. Auffallend ist, dass die Siedlungen nun meist in den Niederungen lagen und nicht mehr oberhalb der Talsohle angelegt wurden. Dies hatte wohl auch mit der größeren Ausbreitung von Landwirtschaft und Viehzucht zu tun. Lediglich einige Höhendörfer des 9. - 12. Jahrhundert (wie Bisterschied, Schönborn, Dörrmoschel und Winterborn) bilden die Ausnahme. Ortsnamen wie Dielkirchen weisen auf fränkische grundherrliche Eigenkirchen hin. Schon bald entwickelten sich die ersten handwerklichen Berufe und die Sozialstruktur wurde differenzierter. Zahlreiche Dörfer der Frankenzeit wurden jedoch schon im Verlauf des Mittelalters zu Wüstungen. Hierzu zählen beispielsweise Mentzweiler bei Mannweiler-Cölln, Brunsweiler bei Finkenbach-Gersweiler, Winden bei Obermoschel  und viele mehr.

Auch in der Gemarkung von Waldgrehweiler sind eventuell zwei solcher Siedlungen zu vermuten. Mit Sicherheit zu belegen ist die Wüstung „Breitenheim“, die als „Breidenau“  am 20. Januar 1304 in einer Urkunde erstmals erwähnt wurde. Hierin verkauften Johann von Metz und seine Ehefrau Agnes, eine Tochter Philipps III. von Hohenfels,  das Dorf  zusammen mit Finkenbach „soweit sie ihnen gehörten“ an Heinrich von Hohenfels, Herr zu Reipoltskirchen, der mit Jutta von Neubamberg vermählt war. Hierzu gab Hermann von Hohenfels, der Bruder Agnes, seine Zustimmung per Unterschrift und Siegel. Eine zweite Nennung erfolgte 1468 als „Breidem bi Grewiller“. Noch heute ist die Lage des vergangenen Dorfes unweit der Wolfsmühle als Gewannename „Breitenheim“ deutlich. Der Namensursprung stammt wohl von der Lage auf einer „breiten Aue“. Die „Umbenennung“ ist vermutlich auf eine Verschreibung für „Breidena“ aus dem Volksmund zurückzuführen. Vergleichbar ist auch, dass die Gemeinde Breitenheim bei Meisenheim heute im Volksmund als „Brädenemm“ oder „Bräremm“ geläufig ist.

Als weitere Siedlung im Bereich von Waldgrehweiler vermutet man „Rodeha“. Sie wird wie Waldgrehweiler und Finkenbach am 25. Februar 1236 in einem Lehensverzeichnis erstmals erwähnt und wurde vom Grafen Gerlach V. von Veldenz der Gräfin Ermesinde II. von Luxemburg als „veldenzisches Allodium“ zu Lehen überreicht.  Wo diese Siedlung genau lag ist ungewiss, jedoch wird sie im Pfalzatlas auf dem Höhenrücken Richtung Bisterschied vermerkt, bei anderen zwischen Waldgrehweiler und Finkenbach-Gersweiler. Die Vermutung liegt jedoch auch nahe, dass es sich auch schlichtweg um das zur Großgemeinde Becherbach gehörende Roth handeln könnte.

Andere Siedlungen gingen in Weilersiedlungen (z.B. der  Sulzhof bei Schiersfeld oder der Weidelbacherhof bei Mannweiler-Cölln) auf .

Fundstücke sind aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts nach Chr. in ganz Süd- und Südwestdeutschland überaus selten, da unter anderem Bestattungen in Einzelgräbern bevorzugt wurden und die Grabbeigaben daher eher dürftig waren. Die Zunahme der merowingischen Reihengräberfelder - und somit auch der Anzahl der Fundstücke - ist erst im 6. Jahrhundert n. Chr. zu erkennen.  Jedoch ist auch in diesem Zeitraum die Fundsituation bei uns äußerst gering. Nur einige wenige Siedlungsreste und Funde wie in Ransweiler geben gesicherte Auskunft über die Siedlungsart in unserem Gebiet. Des weiteren weisen einige Flurnamen, die das Wort “Heier” (auch “Heig” und “Heuer” geschrieben) beinhalten, auf merowingerzeitliche Bestattungsplätze hin; so die Gewanne “Hinterheug” in Finkenbach-Gersweiler. Das Wort stammt aus dem fränkischen Wortschatz und bedeutet soviel wie “schlafen gehen”. Daher rührt auch das noch heute im Volksmund gebräuchliche “heier-” oder “heia machen”.

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Gemeinde Waldgrehweiler

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