Die jüdische Gemeinde Waldgrehweiler

Über den Ursprung der Juden in Waldgrehweiler ist nur wenig bekannt, jedoch wird bereits 1718 ein Jude Gerdon genannt, der sechs Gulden Schutzgeld zahlen musste. Das Hauptbuch der Gemeinde nennt am 23.01.1790 lediglich ein Judenhaushalt „mit namen Jud Manes Abraham“.  Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Zahl der jüdischen Einwohner. 1801 waren es acht Personen und somit 2,3 Prozent der Gesamteinwohner. Im Jahr darauf sind alle Juden im Ort verschwunden. 1809 werden die Gebrauchtwarenhändler Abraham und Salomon Schmidt, die Viehhändler Abraham und Isaac Strauß und Händler Salomon Strauß als jüdische Haushaltsvorsteher gelistet. 1825 waren ganze 44, 1837 37, 1843 42 und 1848 47 Juden in elf Familien gemeldet.

1836 wurde ein Vertreter der örtlichen Juden zur Kreissynode nach Speyer entsandt um eine einheitliche jüdische Lehr- und Gottesdienstordnung zu gestalten. 1853 erreichte die jüdische Kultusgemeinde mit 49 Mitgliedern ihren absoluten Höchststand. Dies war sehr enorm. Am 25.03.1854 listete das Landkommissariat Kirchheimbolanden eine eigenständige jüdische Gemeinde in Waldgrehweiler. Doch mit der Jahrhundertwende nahm die Zahl der jüdischen Mitglieder rasant ab. 1875 ist die Zahl auf 28 Gläubige gesunken.  1880 waren es 32 Juden.

1893 wurde die jüdische Gemeinde Waldgrehweiler aufgrund der zurückgegangenen Zahl der Gemeindemitglieder aufgelöst und die Gläubigen der Gemeinde Teschenmoschel zugeschlagen. Sie fanden in der dortigen Synagoge ihren religiösen Mittelpunkt. Die zwei Torarollen der Synagoge wurden nach Teschenmoschel überführt. Die Synagoge wurde von zwei jüdischen Privatmännern zum Preis von 1.425 Mark ersteigert und später weiterverkauft.

Das zuständige Finkenbacher Pfarrbuch nennt im Jahr 1900 nur noch fünf und 1905 acht Juden in Waldgrehweiler. Genaue Zahlen bis um die Zeit des Zweiten Weltkrieges liegen nicht vor.

Von den im Ort geborenen und längere Zeit lebenden Juden wurden Frieda Hamburger, geborene Schlachter (geb. 1885), Rosa Kling, geborene Strauß (geb. 1861), Max Pfahler (geb. 1924), Ludwig Schlachter (geb. 1879) und Martha Wald, geb. Kling (geb. 1890) Opfer des Nationalsozialismus. Gleiches Schicksal ereilte die letzte jüdische Mitbürgerin Waldgrehweilers „Hannchen“ (Johanna) Weil, geb. Frank (geb. 1875).

Die jüdischen Toten wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Teschenmoschel beigesetzt. Seit um 1830 bestand ein eigener Friedhof in Waldgrehweiler am Waldrand in der Nähe des Feldweges (Verlängerung der Hohlstraße) in Richtung Bisterschied. Hier befinden sich auf einer Fläche von 3,5 Ar 13 Grabstelen aus Sandstein, meist in historisierenden Formen. Die hebräischen Inschriften sind großteils verwittert. Einige Steine hängen schief, sind teilweise zerbrochen, umgekippt oder notdürftig wieder aufgestellt. Das jüngste komplett lesbare Grabmal ist von Abraham Strauß, geboren September 1828,  gestorben Januar 1889. Weiterhin gut erkennbar ist der Stein für Simon Strauß, geboren Januar 1811, gestorben  am 17.01.1867. Ein anderer lässt noch den Familienamen Weil, das Geburtsdatum 07.03.1873 und Sterbedatum 7.12.1932 erkennen.

Waldgrehweiler Synagoge

Ende der 1950er bis Anfang 1960er Jahre wurde diese abgebrochen. Sie bildete den Mittelpunkt der im Volksmund als „Judeneck“ oder auch „Klostereck“ bezeichneten Hofansiedlung zwischen „Ronseweges“ (Hauptstraße Richtung Ransweiler) und Ransenbach. Noch heute stehen hier die ältesten Wohnhäuser der Gemeinde. Sie sind alle als Fachwerkbauten erstellt und stehen teilweise unter Deckmalschutz. Der Keller des Wohnhauses Hauptstraße 32 ist mit 1577 datiert. Neben den Wohnhäusern prägen landwirtschaftliche Nutzbauten wie Scheunen und Holzschuppen die Anlage.

Haus Gläser u links die Synagoge

Nach Erzählungen soll die „Judenschule“ – wie sie heute noch im Ort genannt wird – 1806/1810 erbaut und eingerichtet worden sein. Leider ist über die Geschichte der Waldgrehweilerer Synagoge fast nichts bekannt. Nach mündlicher Überlieferung befanden sich bei der Synagoge  auch ein rituelles Bad (Mikwe) und ein Schulraum. Das Synagogengebäude wurde zu späterer Zeit als Scheune verwendet.

Türsturz Synagoge

Diese undatierten Bilder aus dem Ende der 1950er Jahre zeigen die, zur Scheune umgebaute, einstige Synagoge. Es handelte sich um einen eingeschossigen Bruchsteinbau mit Fachwerkgiebel und mit Hohlziegeln gedeckten Satteldach, der traufständig hier am Platz, etwas zurückgesetzt zur Hauptstraße (im Volksmund in diesem Teilabschnitt als „Judengasse“ bezeichnet)  stand. Bei dem Eingang des Bethauses handelte es sich um einen schlichten Rechteckeingang mit Sandstein-gewände. Einziger Schmuck war die hebräische Inschrift des leicht gewölbten Türsturzes (heute eingemauert Triftstraße 4 in Obermoschel) aus Psalm 118,20: „Dies ist das Tor des Herrn, die Gerechten werden dahin eingehen“.

Die Synagoge



Der Judenfriedhof

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Waldgrehweiler Friedhof 173
Waldgrehweiler Friedhof 175
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Waldgrehweiler Friedhof 179

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Gemeinde Waldgrehweiler

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