Jahrtausendflut 2014

Zahlen und Fakten zu der Jahrtausendflut in Waldgrehweiler:

Privatbereich:
-Akut gefährdete/gerettete Personen: 13
-Verletzte bei Aufräumarbeiten: 3
-Betroffene Wohnhäuser in Nutzung: 39
-Längere Zeit unbewohnbare Häuser/Wohnungen: 7
-Betroffene Gebäude (Scheunen, Stallungen, Nebengebäude, Garagen etc.): ca. 85
-Vollgelaufene Keller: 27
-Zerstörte/Beschädigte Autos: 29
-Zerstörte/Beschädigte Motorräder: 5
-Zerstörte/Beschädigte Traktoren: 3
-Sperrmüllmenge: ca. 750 m³
Geschätzte Gesamtschadenssumme: ca. 1,6 Mio. Euro

Gewerblicher Bereich:
-Zerstörter Kerwefestplatz mit Karussell, Schießstand und Losbude, Süß- und Spielwarenstand
-Zerstörte Dorfgaststätte
-Beschädigter Bäckerei- und Lebensmittelverkaufswagen
-Diverse zerstörte landwirtschaftliche Geräte

Öffentlicher Bereich:
-Bürgerhaus, Untergeschoss incl. Sicherheitsverglasung, Türen,  Fenster, Theke, Ausstattung, Tische, Bestuhlung, Klavier,
 Heizung, Elektrik, Böden und hist. Turmuhrwerk, Sandsteinsockel der Außenfassade
-Glockenturm, incl. Tor, Lagerwaren, Sirenensteuerung, Elektroverteilung und Funk-Turmuhr mit Glockenschaltuhr
-Jugendraum, incl. Türen Theke, Ausstattung und Elektrik
-Ehem. Milchsammelstelle, incl. Gemeindelager
-Historische Viehwaage
-Historisches Wasserhaus, incl. Wander- und Mitfahrerparkplatz sowie geplantem Wohnmobilstellplatz
-Bürgergarten mit Wingert
-Freizeitgelände am Radweg, incl. Parkplätzen
-Dorfplatz, incl. Bushaltestelle, Laternen, Brunnen und Außenanlagen
-Feuerwehrgerätehaus, incl. Tor, Material, Einsatzkleidung, Elektrik und Brunnen
-Kleinkinderspielplatz
-Schotterbeet am „Judeneck“
-Fußgängersteg über die Moschel
-4 Wirtschaftsbrücken und eine Ortsstraßenbrücke stark beschädigt bzw. zerstört
-Unterspülung von Straßen und Gehsteige, Schäden an Wirtschaftswegen, Wasserläufen und Verrohrungen
-Schäden an Versorgungsleitungen, Telefon und Abwasserleitungen

Gesamtschadenssumme: über 1 Mio. Euro

Anmerkung:
Durch die Sammlung von diversem Bildmaterial, die Veröffentlichung in den verschiedensten Medien sowie Erstellung von Fotobüchern und CDs, ist leider vielmals keine genaue Zuordnung des Fotografen mehr möglich, weshalb auf eine detaillierte Nennung verzichtet wird. Da die Bilder frei zugänglich waren, diese Veröffentlichung allen als Erinnerung dienen wird und nicht zur Gewinnerzielung dient, setzen wir dankend das Einverständnis zum Abdruck voraus.

Die Flutwelle trifft in Waldgrehweiler ein
Die Hauptstraße von Waldgrehweiler unter Wasser
Ein Sinnbild für die Naturgewalt - Dieser Twingo wurde rund 1km weit mitgerissen und fand an einer Brücke beim Grashof halt
Luftbild
Flut1
flut2

2014 ist ein Jahr, das vielen Betroffenen sowie Hilfskräften in Erinnerung bleiben und sicher auch Erwähnung in den regionalen Geschichtsschreibungen finden wird. Starkregen, Gewitterstürme, Schlammlawinen, Hochwasser und Überschwemmungen die bis zu großen Naturkatastrophen reichten prägten das Jahr.

Bereits am 5. Juli 2014 sorgte ein Gewittersturm für ein, zum Glück glimpflich verlaufenes, Bahnunglück bei Oberndorf mit  60 Fahrgästen. Am 29. Juli, folgte ein Starkregen im Appel- und Moscheltal für Hochwasser der kleinen Flüsse, wie sie nur alle fünfzig Jahre einmal vorkommen. Etliche Keller waren überflutet, Schlamm zog sich durch die Dörfer, es entstanden enorme Schäden. Neben den Moscheltalgemeinden Finkenbach-Gersweiler und Waldgrehweiler traf es am stärksten die kleine Appeltalgemeinde Gerbach. Zu der schlimmen Situation an den vielen betroffenen Wohnhäusern, spitzte sich dort die Lage auf dem AZUR-Campingplatz Donnersberg dramatisch zu. Rund 160 Camper mussten evakuiert werden. Gerade einmal fünf Wochen später sorgte Starkregen für den Abgang von Schlammlawinen in Münsterappel.

Das was aber darauf folgte, dass konnte sich kein Nordpfälzer vorstellen ...

Am Nachmittag des 20.09.2014 brach förmlich eine „Sintflut“ über der Nordpfalz zusammen. Gerade erst waren die meisten Schäden vom Jahrhunderthochwasser Ende Juli beseitigt, folgte ein Naturereignis, wie es hier noch nie zuvor registriert wurde.  Gegen 14.30 Uhr färbte sich im Dreieck zwischen Stahlberg, Ransweiler und Bisterschied der Himmel tiefschwarz, Wolken zogen sich aus allen Richtungen zusammen, die Atmosphäre fing an zu grollen. Dem Donner folgte Platzregen mit Sturmböen und Taubeneier großem Hagel. Während nur 10 Kilometer entfernt noch überall die Sonne schien und man den Samstagnachmittag zum Festefeiern nutze, verwandelte sich hier das ganze in wolkenbruchartige Regenfälle. Die kleinen Bächlein Moschel und Ransenbach stiegen sofort an, da die Böden durch die Regenfälle des Sommers noch immer stark gesättigt waren. Die Blicke der Bürger gingen gen Himmel und in Richtung der Uferwände. Die ersten Feuerwehren begannen ab 15.30 Uhr in Ransweiler, Waldgrehweiler und Finkenbach-Gersweiler mit Sandsäcken gefährdete Gebäude und Stellen zu sichern. In Schiersfeld überflutete der kleine Sulzbach Ortsstraßen. Der Regen löste auf der Kreisstraße sowie in der Ortslage von Mannweiler-Cölln kleinere Abgänge von Geröll und Schlamm aus. Doch es kam wie es niemand erhofft hätte. Nach dem sich die Lage etwas entspannt hatte und man um 16.30 Uhr noch mit einem blauen Auge davon zu kommen dachte, ergossen sich über Stahlberg, Ransweiler, Schönborn und Bisterschied punktuell erneut große Wolkenbrüche, die für ein weiteres sofortiges Ansteigen der kleinen Bäche sorgten. Fatal kam hinzu, dass gerade wenige Tage zuvor die meisten Äcker neu bestellt worden waren und der Regen somit Unwegen von Schlamm losspülte die sich talwärts bewegten. Binnen weniger Minuten spitzte sich die Lage unbeherrschbar dramatisch zu. Die sonst gerade einmal 20 Zentimeter Wasser führenden, im Sommer sogar oftmals ausgetrockneten, Bäche schwellten so an, dass es jedem geraten war sich in Sicherheit zu bringen. In Ransweiler schoss der Ransenbach mit Urgewalten über die Donnersbergstraße, überflutete 21 Wohnhäuser und riss Gebäudeteile ein. Es kam zu der ersten Meldung eines Gebäudeeinsturzes, als die Rückseite einer Scheune dem Wasserdruck nicht mehr Standhalten konnte. Autos wurden vom Wasser einfach übereinander gestapelt. Mitgerissene Flüssiggastanks sorgten für einen Gasalarm in der Gemeinde, es bestand Explosionsgefahr und es musste weiträumig evakuiert werden. Ein Mann, der seinen Schafen und Hühnern zur Hilfe eilen wollte, war von den Wassermassen eingeschlossen, ein Rettungshubschrauber mit Winde wurde für seine Rettung angefordert. Im Schutzes eines Strohballens konnte er der Flut jedoch, im Gegensatz zu seinen Tieren, unbeschadet ausharren.  Drei Kinder mussten aus einem Haus gerettet werden.

Wenige Minuten später ereichte die Flutwelle um 17.30 Uhr die Nachbargemeinde Waldgrehweiler, die an diesem Wochenende ihre traditionelle Kerwe feiern wollte. Im Ortsmittelpunkt, am Kerwefestplatz beim Bürgerhaus, trafen die Wassermassen von Ransenbach und Moschel zusammen. Binnen Minuten war die Ortslage komplett überflutet. Wasserstände zwischen 1,40 und 1,72 Metern Höhe über dem Straßenniveau überwalzten die Festgemeinde. Rund 45 Wohngebäude zuzüglich Nebengebäuden der 214 Seelengemeinde waren von dem Jahrtausendhochwasser überflutet. Alles was sich der Flut in den Weg stellte wurde mitgerissen, egal ob massive Mauern, Hoftore, Geländer oder Brennholzstapel. Fenster und Türen wurden eingedrückt sowie Heizöltanks umgekippt. Viele verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Autos schwammen wie Spielzeugboote durch den Ort über die Brüstungsgeländer der Bäche hinweg und fanden teilweise erst einen Kilometer entfernt an starken Bäumen und Wirtschaftsbrücken halt. Auf einem Pritschenwagen auf einer Brücke verharrten zwei Feuerwehrmänner und ein Helfer in Todesangst und hofften, dass das Fahrzeug nicht mitgerissen würde. Im benachbarten Bürgerhaus befanden sich Kerwehelferinnen in Lebensgefahr als eine große Sicherheitsglasscheibe zerbarst, die Wassermassen ins Untergeschoss eindrangen und massive Gegenstände wie die Theke, das Klavier, die alte Turmuhr sowie Tische und Bestuhlung einfach umwarfen. Auf dem Vorplatz wurde der Kerweplatz mit Schaustellerwagen, Buden und dem Kinderkarussell zerstört. In der Nachbarschaft brachen in einem Wohnhaus die Böden des Untergeschosses ein und es bestand Einsturzgefahr. Gegenüber stand das Wasser bei zwei Pflegebedürftigen bis an die Matratze ihrer Pflegebetten, so dass sie umquartiert werden mussten. Der Gastraum der Dorfgaststätte wurde zerstört.

Ähnliche Szenen spielten sich bald darauf ein Dorf weiter in Finkenbach-Gersweiler ab, als die Flutwelle die Brücke der Lindenstraße erreichte. Blitzschnell war auch hier die gesamte Ortslage unter Wasser. Sogar das Einsatzfahrzeug der örtlichen Feuerwehr konnte so schnell nicht in Sicherheit gebracht werden.  Eine sandsteinerne Scheune stürzte ein. Das Feuerwehrhaus wurde,  ebenso wie in Waldgrehweiler und Dörnbach, vom Wasser ergriffen. Mehrere Personen mussten aus Zwangslagen befreit werden, als sie in Kellerräumen und Häusern sowie auf einer Brücke von den Wassermassen überrascht wurden.

Auch in Schiersfeld und Sitters folgten die gleichen Bilder, nachdem man kurz zuvor noch die Lautsprecher-Warndurchsagen der Feuerwehr belächelte. In Schiersfeld musste eine Mutter mit ihrem Säugling in einer Frontladerschaufel eines Traktors durch ein Hausfenster von der Feuerwehr befreit werden. Eine Dorfbäckerei wurde zerstört.  In Sitters sah ein Landwirt den Verlust seines Getreides und die Beschädigung der Silos hilflos mit an.

Der Marktplatz der Kleinstadt Obermoschel verwandelte sich in einen See, die Altstadt mit 40 Anwesen glich einem „Klein-Venedig“. Eine Metzgerei und Geschäfte waren betroffen. Rund 130 Rundballen Heu, Stroh und Silage waren entlang der Gewässer mitgerissen worden, verkeilten sich im Bachbett an Bäumen und richteten enorme Schäden an den Brücken an. Jahrhundertealte Rundbogenbrücken wurden durch diese Naturkatastrophe stark beschädigt, sind teilweise einsturzgefährdet oder brachen gar komplett zusammen. Alleine in Waldgrehweiler sind drei Brücken beschädigt, eine einsturzgefährdet und eine eingestürzt, in Finkenbach-Gersweiler sind es ebenfalls zwei Brücken und eine weitere in Bisterschied die hälftig zusammengebrochen sind. Straßenkörper wurden beschädigt, unterspült und weggerissen. Auch die Landes- und Kreisstraßen waren überflutet und von Geröllmassen verschüttet, was den Hilfskräften die Zufahrt zu den Einsatzorten erschwerte. Die Zufahrt der DRK-Rettungswache in Rockenhausen war teilweise nicht mehr passierbar. Der Schelmesbach verwandelte die Gutenbrunnenstraße in einen strömenden Fluss der Autos mit sich riss. Auch die Bahnlinie Alsenz-Rockenhausen musste längere Zeit gesperrt werden. Ähnlich sah es auf den Durchgangsstraßen in Dörnbach und Teschenmoschel aus. Vielerorts wurden Gullydeckel, Kanaldeckel und Betonrohre auf die Fahrbahnen gespült.

Schnell war den örtlichen Einsatzkräften klar, dass diese Großlage nicht alleine zu bewältigen war. Gleich von Anfang an wurden die Feuerwehren aus den Nachbargemeinden aber auch aus dem Nachbarlandkreis Bad Kreuznach, das technische Hilfswerk und die Schnelleinsatzgruppen des Deutschen Roten Kreuzes nachalarmiert. Die Mitglieder der Führungsstaffeln der betroffenen Verbandsgemeinden waren komplett in das Einsatzgeschehen eingebunden und kaum noch herauszulösen. Spät abends bis nachts lag die Einsatzleitung beim Landkreis.  Es kam zu weit über 300 Einsätzen, wobei viele in dieser Statistik zu einem Gemeinsamen zusammengefasst wurden.  Von dem Starkregenereignis betroffen waren die Gemeinden Teschenmoschel, Bisterschied, Ransweiler, Katzenbach, Rockenhausen, Dielkirchen, Dörnbach, Schönborn, Waldgrehweiler, Finkenbach-Gersweiler, Sitters, Schiersfeld, Obermoschel, Niedermoschel und Mannweiler-Cölln. 14 Personen mussten aus Gefahrenlagen gerettet werden. Glücklicherweise kam es zu keinen Todesfällen bei Menschen und nur wenigen bei kleineren Tieren, die Verletztenzahl war sehr gering. Dies war auch der glücklichen Fügung zu verdanken, dass zu diesem Zeitpunkt der Kerwefestplatz in Waldgrehweiler noch nicht geöffnet hatte.

Einige Stunden nach dem Ereignis waren über 460 Helfer von Feuerwehr, THW und DRK im Einsatz um die Schäden zu beseitigen und Hilfe zu leisten. Die Arbeiten dauerten am Wochenende teilweise bis nachts um 4 Uhr an. Welche Ausmaße dieser Einsatz annahm zeigen Zahlen, wie dass in einer kleinen Gemeinde wie Waldgrehweiler an einem Tag 26 Feuerwehreinheiten und in der kaum größere Nachbargemeinde Finkenbach-Gersweiler rund 40 Feuerwehren zeitgleich zum Einsatz kamen. Von überall wurde Hilfe beordert und auch in Freundschaft ohne Aufforderung angeboten. Im Einsatz waren alle Feuerwehren aus dem Gebiet der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel und viele aus Rockenhausen, Einheiten aus den Nachbarverbandsgemeinden Winnweiler, Kirchheimbolanden, Göllheim und Eisenberg, kreisübergreifend aus den Verbandsgemeinden Meisenheim, Bad Münster am Stein-Ebernburg und Bad Kreuznach im Landkreis Bad Kreuznach sowie aus der Verbandsgemeinde Wolfstein im Landkreis Kusel. Zudem kamen THW-Gruppen mit Pumpen, Aggregaten und Hilfskräften aus Bad Kreuznach, Idar-Oberstein, Wörrstadt, Worms, Frankenthal, Kaiserslautern und anderen Orts in die Nordpfalz. Die Aufräumarbeiten dauerten Tage lang an. Die Feuerwehren waren insgesamt bis zu zehn Tagen im Dauereinsatz, bis die letzten Keller ausgepumpt, das ausgelaufene Heizöl aufgenommen, der dicke und zähe Schlamm beseitigt, Autos aus den Gewässern gezogen und die Häuser entrümpelt waren. Rund 500 Tonnen Sperrmüll mussten entsorgt werden. In Waldgrehweiler türmten sich die Abfallhaufen außerhalb des Ortes etliche Meter hoch. Während der Arbeiten kam es immer wieder zu neuen Einsatzlagen. So brannten in Finkenbach-Gersweiler die Wechselrichter einer Photovoltaigeanlage, in Waldgrehweiler fingen die eingelagerten Rundballen in den Scheunen an zu gären und es konnte durch das sofortige Räumen gerade noch ein Brand verhindert werden. Ein Verkehrsunfall in Alsenz sorgte weiterhin für einen Abzug von Kräften.

Auch die Abwasserrohre, Sickerschächte und Kanäle mussten großflächig gesäubert werden. Neben den Strahlrohren der Feuerwehren halfen hier große Spülwagen von Fachfirmen und Werken. Die Straßenmeistereien waren beschäftigt die Straßen mit Kehrmaschinen von Schlamm und Geröllresten zu befreien, abgerutschte Straßenböschungen zu stützen, verstopfte Durchlässe zu säubern und Straßenbegrenzungspfähle zu ersetzen. Auch die Telekom hatte alle Hände voll zu tun defekte Telefonleitungen und –anlagen zu reparieren.

Unvergesslich bleibt die große Solidarität zwischen den Betroffenen und Helfern. Von überall waren Freiwillige angereist um mit anzupacken. Landwirte und Firmen stellten Traktoren, Anhänger, Bagger, Radlager und Muldenkipper zur Verfügung. Rund 800.000 Euro Spenden kamen bis Ende Februar 2015 auf dem Flutopferhilfe-Konto für die über 160 Betroffenen zusammen. Sachspenden, Nahrungsmittel, Kleider, Möbel und technisches Gerät wie Lüfter und Entfeuchter wurden kostenlos in großen Mengen bereitgestellt.  Im Dachgeschoss des Waldgrehweilerer Bürgerhauses hatte der DRK-Ortsverein Finkenbach eine proppevoll gefüllte Kleiderkammer betrieben, im Obergeschoss war eine Woche lang zu jeder Tageszeit eine „Gemeindekantine“ für alle Hungrigen eingerichtet. Auch im Feuerwehrgerätehaus Finkenbach und anderenorts sorgten Helfer durch Spenden für die Sättigung der Helfer und Betroffenen. Familien deren gesamte Wohnungen verwüstet waren fanden in leerstehenden Häusern und Mietwohnungen Unterkunft. Viele Handwerker gewährten Sonderrabatte, reparierten teilweise Heizungen und Elektroanlagen sogar kostenfrei. Es entstanden auf allen Seiten neue Freundschaften und alte Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden oft begraben.

Die Instandsetzungsarbeiten im privaten, wie auch im öffentlichen Bereich, werden noch Monate und Jahre andauern. Einige Betroffene stehen wegen fehlender Elementarversicherung gegen Hochwasserschäden – die fast niemand hier hatte - vor dem privaten Ruin. Andere erhielten nach dem Ereignis die Kündigung ihrer Versicherungsgesellschaft zugeschickt. Neue Versicherungen sind nur noch schwer zu bekommen oder die Versicherungsbeiträge so hoch, dass man für diese Beträge auch alle zehn Jahre ein größeres Hochwasser bewältigen könnte.

Eine Hilfe Seite des Landes ist für die Geschädigten nicht zu erwarten, da diese daran geknüpft ist, dass die Anwesen zuvor nachweisbar nicht versicherbar gewesen sind. Versicherbar ist nun man alles – nur von wem und zu welchen Konditionen ist die Frage.

Die Gesamtschäden der Unwetterereignisse im Appel- und Moscheltal beliefen sich zusammen auf über sieben Millionen Euro. Für Privatleute ist seitens des Landes wenig bis gar keine Hilfe zu erwarten, lediglich für die kommunalen Schäden an Straßen, Brücken, Bürgerhäusern, Jugendräumen, Spielplätzen und öffentlichen Anlagen werden entsprechend gefördert. Ein vom Land in Auftrag gegebenes Pilotprojekt soll zukünftige Hochwasserschutzmaßnahmen bei Starkregenereignissen erarbeiten. Bereits nach der Flut hatte man vor allem im Bereich um Ransweiler mit ersten Säuberungsmaßnahmen außerhalb des Ortes entlang der Bachläufe begonnen. Auch in der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel sorgte man für eine notdürftige Beseitigung von Todholz, Treibgut und Abflusshindernissen für die folgenden Regenfälle. Denn schon bereits wenige Tage nach der Katastrophe, am 17. Oktober 2014 schwellten die Bäche in Folge anhaltender Regenfälle und Starkregenschauer erneut gefährlich an. Wegen der erheblichen Bodenfeuchte konnten die weiterführenden Säuberungsarbeiten sowie das Ausbaggern der Bachläufe in den Ortslagen und an Engpässen jedoch erst Anfang 2015 bei gefrorenem Boden vorgenommen werden. Durch private Selbsterwerber konnte etliches Todholz – nach vorheriger Markierung und Abstimmung mit der Wasserwirtschaftsbehörde – kostenfrei beseitigt werden. Auch die Feuerwehren, Landwirte und Anwohner halfen örtlich mit. Für die weitere Entsorgung des restlichen Treibgutes, das Häckseln von Holzresten und die Erdarbeiten haben die beiden Verbandgemeinden sechsstellige Eurobeträge bereitgestellt. Die zerstörten Brücken sollen teilweise durch Furten bzw. Neubauten ersetzt werden. Die Schaffung von Wasserrückhaltebecken bei der Wolfsmühle (zwischen Waldgrehweiler und Bisterschied/Teschenmoschel) sowie der Teufelsbachbrücke (zwischen Ransweiler und Waldgrehweiler) wird in Erwägung gezogen. Jedoch ist jedem klar, dass bei solchen Wassermassen kein Schutz möglich ist. Nachträgliche Hochrechnungen ergaben das in kürzester Zeit rund sechs Millionen Kubikmeter Niederschlag über dem kleinen Einzugsgebiet herabgegangen waren. Es wurden privat in 15 Minuten Niederschlagsmengen zwischen 160 und 220 Litern pro Quadratmeter gemessen.

Ende März waren in Finkenbach-Gersweiler und Waldgrehweiler noch immer nicht alle Familien wieder in ihren Wohnhäusern untergekommen. Einige sind noch in Mietswohnungen, bei Verwandten oder in leerstehenden Häusern im Ort untergebracht. Viele leben auch mitten in den „Baustellen“ der Häuser, die nach und nach beseitigt werden. Doch hierzu müssen die finanziellen Mittel stimmen. So manche Arbeiten können witterungsbedingt erst im folgenden Sommer erledigt werden. Die Sandsteinhäuser werden – je nach Wetterlage des Sommers 2015 – sicher bis in den Spätherbst brauchen um einigermaßen zu trocknen. Dankbar sind die Betroffenen für die erhaltenen Spenden aus dem Topf der Donnersberger Initiative, auch wenn sie für viele nur einen Tropfen auf den heißen Stein darstellen. Zumindest ist wieder so etwas wie Normalität im Alltag eingekehrt. Die gröbsten Schäden sind beseitigt, die wichtigsten Dinge wieder angeschafft. Jeder Sonnenschein wird für Arbeiten genutzt, auch an den „heiligen“ Wochenenden sind überall die Maschinen zu hören und Menschen in Arbeitskleidung zu sehen. Lediglich die zusammengetragenen Treibgutberge zwischen den Orten und ein brauner Wasserstands-Streifen an den Fassaden der betroffenen Häuser lassen Ortsfremde noch erkennen, dass hier irgendwas war. Im Nachgang der Flutkatastrophe überlegt man bei den Verwaltungen und den Feuerwehren, genauso wie bei den Betroffenen, was man für Schlüsse aus dem Hochwasser ziehen kann, welche Vorkehrungen möglich und sinnvoll sind sowie welche Pumpen sich am besten bewährten und für die Zukunft angeschafft werden sollten. Leider muss man sich aber selbst immer wieder eingestehen, dass nur das etwas hilft, was binnen fünf bis zehn Minuten mit leichten Handgriffen als Schutz angebracht werden kann, da keine große Vorlaufzeit besteht. Viele sind jetzt sehr sensibilisiert bei stärkerem Regen und wenn der Bach rauscht schläft man nicht wie früher besonders gut, sondern liegt eher wach, schaut aus dem Fenster und ist unruhig. Leider ist die während der Katastrophe so hervorragende Solidarität auch wieder am zurückgehen. Mit dem Alltag kommen auch wieder die kleinen Nachbarschaftsstreitigkeiten, der Egoismus, Hass und Neid. Man braucht sich gegenseitig nicht mehr so stark wie in der Not. Dies liegt halt einmal in der Natur des Menschen. Aber auch die Politik bleibt immer noch in der Kritik.

Das sich nach der Flut nur ganz wenige Kommunalpolitiker und vor allem Landespolitiker in den betroffenen Gemeinden blicken gelassen haben, merken sich die Menschen in der Region gut. Entschuldigungen wie die des Innenministers Roger Lewentz, keinen „Katastrophentourismus“ betreiben zu wollen, stießen auf vollkommenes Unverständnis. Die Geschädigten gewannen dadurch nur noch mehr den Eindruck und die Bestätigung zu klein und abseits des Regierungssitzes zu sein um für die Verantwortlichen Landesvertreter eine Bedeutung zu haben. Sie fühlten sich von vielen verraten und im Stich gelassen. Gefördert wurde der Unmut durch die wochenlange Prüfung, ob es sich bei dem Ereignis auch tatsächlich um ein „überörtliche Elementarereignis“ handelte, um Zuschüsse zu ermöglichen. Die Vielzahl von Ablehnungen allseits gewünschter Maßnahmen durch die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd bei den anhaltenden Aufräum- und Vorkehrmaßnahmen verstärkte diesen bis heute weiter.

Bleibt einfach nur zu hoffen, dass die Region so etwas nicht mehr erleben muss!

flut3
Der Ransenbach bahnt sich seinen Weg  durch die Inselstraße Richtung Ortsmitte Waldgrehweiler
Der verwüstete Kerweplatz Waldgrehweilers
139px-Wappen_Waldgrehweiler1

Gemeinde Waldgrehweiler

Herzlich Willkommen