Unser Dorf hat Zukunft

Goldmedaille für Waldgrehweiler
Landessieg in der Hauptklasse “Unser Dorf hat Zukunft”

Nachdem die 220-Seelengemeinde Waldgrehweiler im Kreisentscheid des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ unverhofft den ersten Platz im Donnersbergkreis erzielt hatte, schaffte es der „Neustarter“ nach erneuter Beurteilung im Bezirksentscheid Rheinhessen/Platz direkt wieder auf das Siegerpodest und erhielt nun auf Landesebene sogar die Goldmedaille der Hauptklasse. Insgesamt 220 Dörfer haben sich am Wettbewerb 2014 beteiligt. Von ihnen starteten 122 zum ersten mal in der Hauptklasse und 98 in der Sonderklasse, da sie bereits mehrfach am Wettbewerb teilnahmen. Aus der Region der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Neustadt an der Weinstraße haben 86 Gemeinden mitgemacht und sich 14 in der Hauptklasse sowie 18 in der Sonderklasse qualifiziert.

Waldgrehweiler sei ein kleines, feines Dorf, welches idyllisch ins mittlere Moscheltal gebettet sei. Die Gemeinde habe sich, ursprünglich stärker als heute landwirtschaftlich geprägt, inzwischen zur attraktiven Wohngemeinde entwickelt, so die Kommission. Naturräumlich von Moschelbach und Ransenbach durchflossen und geprägt, bietet das von beiden Bächen „eingerahmte“ Dorfzentrum den Eindruck einer Insel. Auf dieser „Insel“ sind der restaurierte historische Glockenturm, die ehemalige Milchsammelstelle und der Jugendraum einerseits und andererseits das neue, einladend wirkende, funktionelle, lichtdurchflutete, in moderner Materialwahl und Formensprache gehaltene Bürgerhaus gruppiert. Dabei ist eine gelungene Kombination zwischen alter erhaltener Bausubstanz und neuzeitlicher Formensprache mit moderner Kunst am Bau erzielt worden. Dieses schmucke Ensemble wird zusammen mit der restaurierten alten Brücke von einer „Friedenslinde“ von 1871 „bewacht“, die als Naturdenkmal unter Schutz gestellt werden soll, so die Jury weiter.
Gelebtes Werte-Bewusstsein für das historische Erbe zeigt Waldgrehweiler unter anderem durch den Erhalt und die Restaurierung des Feuerwehrgerätehauses, des ehemaligen Wiegehäuschen und des historischen Wasserhaus,  die Gestaltung des Schotterbeetes am „Judeneck“ und des Weinberg im „Layengarten“ als Hinweis auf die Vergangenheit. Sandsteinerne Tafeln an den Gebäuden und Infotafeln dienen den Interessierten als Hinweis, wie sich die Begutachter überzeugen konnten.

In Waldgrehweiler packen die Bürgerinnen und Bürger mit Fleiß, Tatkraft und Ideen vieles selbst an, was in manch anderen Orten aus dem „Dorfsäckel“ bestritten werden muss. Gemäß dem in Waldgrehweiler selbst gewählten Motivations-Motto “Stillstand ist Rückschritt“ wird hier weit überdurchschnittlich viel in bürgerschaftlicher Eigenleistung bewirkt. Zu dieser Aussage kam die Jury Aufgrund hervorragender Beispiele wie die Erbauung des Bürgerhauses mit über 30.000 ehrenamtlichen Helferstunden, die Erschließung des Neubaugebiets mit Straßenbau, dem Straßenausbau in Insel- und Unterdorfstraße und der die Landesstraßen flankierenden Bürgersteige, die Pflege des öffentlichen Grüns und die Anlage des Bürgergartens mit Backofen, Kelter und Feiküche und kleinem Wingert. Dessen künftige Erträge sollen zusammen mit denen mehrerer Streuobstwiesen gekeltert und durstigen Kehlen zugeführt werden, die sich in der Gemeinde nicht zuletzt über den Moscheltalradweg einfinden.
All diese Engagements erfordern eine so weitblickende, ausgeklügelte, koordinierende Planung und Abstimmung, das Waldgrehweiler bescheinigt werden kann: „Waldgrehweiler wird nicht verwaltet, Waldgrehweiler wird gemanagt“, so der „O-Ton“ der Gebietskommission. Die Qualität und Weitsicht dieses Managements zeigte sich nicht zuletzt auch im Bereich erneuerbarer Energien (Photovoltaik, Windenergie, LED-Straßenbeleuchtung). Durch clevere Nutzung seiner Potentiale wurde der Ort mittlerweile schuldenfrei, was für Staunen der Gäste sorgte.
Was nicht alleine oder nicht sinnvoll alleine bewerkstelligt werden kann oder sollte, das wird in vorbildlicher Weise in überörtlicher Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden erfolgreich angegangen, ohne dabei Verbandsgemeindegrenzen als unüberwindliche Barriere zu empfinden.  Dies gilt im Bereich der Vereine und Verbände, der Kirchengemeinde, der Grundschule und des Kindergartens Bisterschied. Bewunderung fanden die beiden privaten „offenen Gärten“ durch die Gartenfachkräfte. Auch das umgebende „Grün“ sorgte für Pluspunkte in der Bewertung. Der zertifizierte ökologisch bewirtschaftete Gemeindewald, die vielen alten und neuen Streuobstwiesen, die alten Linden am Bürgerhaus und auf dem Friedhof, der knorrige Ahorn an der Viehwage, die Baumpflanzungen im Neubaugebiet, die Beweidung der Magerwiesen und Hänge mit Schafen, das Feuchtbiotop auf der „Nachtweide“ und die weiteren geplanten Maßnahmen wie etwa die Ortseingangsgestaltung. Beheimatete Tierarten wie Uhu, Eisvogel, Kreuzotter, Roter Milan, Mufflons und Federmäuse bestätigen dies. Auch die touristischen Vorhaben wie die Anlage eines Wander-, Mitfahrer- und Wohnmobilparkplatzes mit Sanitäranlagen, Grillplatz und Natur-Kneippbecken sowie das Freizeitgelände am Moscheltalradweg mit Obst zum Naschen, alten Baumsorten, Weidenhaus, Insektenhotel, Bienenschaukasten und Naturinfotafel und -spielen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Waldjugend fanden Anklang bei der Fachjury. Besonders beeindruckt waren die Beurteiler, das die Verantwortlichen auf fast alle Anregungen und Hinweise ihrerseits direkt eine Antwort hatten und es meist hieß „ist schon in Arbeit“ oder „bereits geplant“.

Auch wenn nun geuzt wird, dass die Gutachter glücklicherweise vor dem Unwetterhochwasser vom 20.09.2014 die stark betroffene Gemeinde beurteilt hätten, sind sich die Waldgrehweiler ganz sicher: „Gemeinsam bringen wir wieder alles in Ordnung!“ Die in der Bewertung so gelobte Dorfgemeinschaft ist durch diese Naturkatastrophe noch mehr zusammengerückt und „live“ zu spüren. Davon ist auch die Landesregierung überzeugt, weshalb Fördermittel in Höhe von 235.000 Euro zur Behebung der öffentlichen Hochwasserschäden aus dem Dorferneuerungsprogramm bewilligt wurden. Somit können die Schäden im Dorfgemeinschaftshaus, am Jugendraum, dem Glockenturm und Feuerwehrgerätehaus, am Kinderspielplatz, Brunnenplatz, der Bushaltestelle, dem Bürgergarten und Freizeitgelände, dem historischen Wasserhaus mit Wanderparkplatz und Wohnmobilstellplatz und der ehemaligen öffentlichen Viehwaage mit entsprechender Eigenleistung gestemmt werden. Innenminister Roger Lewentz ist persönlich der vollen Überzeugung das Waldgrehweiler wieder zu der „lebens- und liebenswerten Ortsgemeinde mit einer herausragenden Dorfgemeinschaft“ wird. Die Gemeinde sei mit Hilfe der Dorferneuerung seit vielen Jahren sehr aktiv in der nachhaltigen Weiterentwicklung, so der Minister weiter.

Ortsansicht mit Windkraftanlagen auf dem Roßberg
Goldmedaille
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Gemeinde Waldgrehweiler

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